Zum Hauptinhalt springen
Rechenweg

Schallimmission Wärmepumpe berechnen

Vom Schallleistungspegel im Datenblatt zum Pegel am Nachbarfenster: Formel, Rechenbeispiel und die Einflussfaktoren, die das Ergebnis verschieben.

Die Schallimmission ist der Pegel, der am Immissionsort ankommt — bei der Wärmepumpe meist am Fenster des Nachbarn. Sie lässt sich aus dem Schallleistungspegel LWA des Geräts, dem Abstand und der Aufstellung abschätzen. Diese Seite zeigt den Rechenweg Schritt für Schritt.

Emission, Immission, Richtwert — die drei Größen

Der Schallleistungspegel LWA im Datenblatt beschreibt, was das Gerät abstrahlt (Emission). Die Schallimmission LpA ist der Pegel an einem bestimmten Ort. Verglichen wird sie mit dem Immissionsrichtwert der TA Lärm, der vom Gebietstyp und von der Tageszeit abhängt. Maßgeblich ist der Pegel 0,5 m vor der Mitte des geöffneten Fensters des am stärksten betroffenen schutzbedürftigen Raums (TA Lärm Anhang A.1.3, siehe TA Lärm für Wärmepumpen). Wie LWA und LpA zusammenhängen, erklärt Schallleistungspegel erklärt.

Die Formel

Für eine Punktschallquelle im Freifeld gilt (vereinfachtes Modell, wie es auch die Rechner dieser Website verwenden):

Lp = LWA − 20·log10(r) − 11 dB + 10·log10(Q)

  • LWA: Schallleistungspegel des Geräts in dB(A) (Datenblatt)
  • r: Abstand zwischen Gerät und Immissionsort in Metern
  • 11 dB: Kugelabstrahlung, genau 10·log10(4π) ≈ 10,99 dB
  • Q: Richtwirkungsfaktor — wie viel Raumwinkel die Quelle tatsächlich abstrahlt (Boden: Q = 2, Wand: 4, Ecke: 8, Nische: 16)

Für ein frei auf dem Boden stehendes Gerät ergibt das Lp = LWA − 20·log10(r) − 8 dB. Das entspricht dem Term Adiv = 20·log10(r) + 8 für Halbkugel-Abstrahlung, den auch die Seite zur DIN ISO 9613-2 nennt. Bei jeder Abstandsverdopplung sinkt der Pegel um 6 dB.

Rechenbeispiel (Annahme): LWA 55 dB(A), Wohngebiet, nachts

Angenommen: Eine Außeneinheit mit LWA = 55 dB(A) steht frei auf dem Boden. Das Nachbarhaus liegt in einem reinen Wohngebiet, nachts gelten dort 35 dB(A). Der Wert 55 dB(A) ist eine Rechengröße für dieses Beispiel, kein Datenblattwert eines bestimmten Geräts.

Lp(10 m) = 55 − 20·log10(10) − 10,99 + 10·log10(2) = 55 − 20 − 10,99 + 3,01 = 27,0 dB(A)

Der Mindestabstand, bei dem der Nachtrichtwert erreicht wird, folgt aus derselben Formel, nach r aufgelöst: r = 10(LWA − LRichtwert − 10,99 + 10·log10Q) / 20. Für das Beispiel sind das 4,0 m.

Pegel am Immissionsort bei LWA = 55 dB(A), freistehend (Annahme)
AbstandPegel LpQuelle
2 m41,0 dB(A)Eigene Rechnung nach obiger Formel, Q = 2
3 m37,5 dB(A)Eigene Rechnung nach obiger Formel, Q = 2
4 m35,0 dB(A)Eigene Rechnung nach obiger Formel, Q = 2
5 m33,0 dB(A)Eigene Rechnung nach obiger Formel, Q = 2
8 m29,0 dB(A)Eigene Rechnung nach obiger Formel, Q = 2
10 m27,0 dB(A)Eigene Rechnung nach obiger Formel, Q = 2

Einflussfaktor 1: Aufstellung (Reflexion)

Reflektierende Flächen in der Nähe des Geräts erhöhen den Pegel. Gleiches Gerät, gleicher Nachtrichtwert von 35 dB(A) — nur die Aufstellung ändert sich:

Nötiger Abstand je Aufstellung bei LWA = 55 dB(A) und 35 dB(A) (Annahme)
AufstellungQPegelzuschlagAbstandQuelle
Freistehend im Garten2Bezug (Halbraum)4,0 mZuschlag: Seite „DIN ISO 9613-2“; Abstand: eigene Rechnung
Vor einer Hauswand4+3 dB5,6 mZuschlag: Seite „DIN ISO 9613-2“; Abstand: eigene Rechnung
In einer Gebäudeecke8+6 dB8,0 mZuschlag: Seite „DIN ISO 9613-2“; Abstand: eigene Rechnung
In einer Nische oder unter einem Carport16+9 dB11,3 mZuschlag: Seite „DIN ISO 9613-2“; Abstand: eigene Rechnung

Einflussfaktor 2: Der Richtwert

Die Formel liefert den Pegel; ob er passt, entscheidet der Richtwert des Gebiets. Nachts, von 22 bis 6 Uhr, sind die Werte deutlich strenger:

Immissionsrichtwerte außerhalb von Gebäuden (Auszug)
GebietTagNachtQuelle
Reines Wohngebiet (WR)50 dB(A)35 dB(A)TA Lärm Nr. 6.1
Allgemeines Wohngebiet (WA)55 dB(A)40 dB(A)TA Lärm Nr. 6.1
Mischgebiet (MI)60 dB(A)45 dB(A)TA Lärm Nr. 6.1
Urbanes Gebiet (MU)63 dB(A)45 dB(A)TA Lärm Nr. 6.1
Gewerbegebiet (GE)65 dB(A)50 dB(A)TA Lärm Nr. 6.1

Den vollständigen Satz an Gebietstypen und die Regeln zum Gebietstyp (Bebauungsplan, Nr. 6.6) finden Sie unter TA Lärm Wärmepumpe.

Einflussfaktor 3: Was die Formel nicht abbildet

  • Luftabsorption, Bodendämpfung, Abschirmung: wirken dämpfend und sind im Modell nicht enthalten — der berechnete Pegel liegt dadurch eher über dem tatsächlichen.
  • Ton- und Impulshaltigkeit: wahrnehmbare Töne oder Impulse können je nach Auffälligkeit zu Zuschlägen auf den Beurteilungspegel führen (siehe TA-Lärm-Seite).
  • Betriebspunkt: Der LWA-Wert im Datenblatt gilt für einen bestimmten Betriebspunkt; im Betrieb mit höherer Leistung kann das Gerät lauter sein.
  • Mehrere Geräte: Zwei gleich laute Quellen ergeben zusammen +3 dB gegenüber einer.
  • Messort: Der Wert am Gerät oder an der eigenen Terrasse sagt nichts über den Pegel am Nachbarfenster.

Eigene Werte direkt eingeben

Die Rechner dieser Website nutzen dasselbe Modell mit Ihren Werten für Gebiet, Tageszeit, Abstand und Aufstellung:

Häufige Fragen

Was ist die Schallimmission einer Wärmepumpe?

Immission ist der Schall, der an einem Ort ankommt — bei der Wärmepumpe typischerweise am Fenster des Nachbarn. Die Emission ist dagegen das, was das Gerät abgibt (Schallleistungspegel LWA aus dem Datenblatt). Aus der Emission lässt sich mit Abstand, Aufstellung und Dämpfung die Immission berechnen.

Welchen Wert aus dem Datenblatt brauche ich?

Den Schallleistungspegel LWA in dB(A) für den Betriebspunkt, der für die Beurteilung maßgeblich ist. Ein Schalldruckpegel (LpA) ist nur mit Abstandsangabe vergleichbar und taugt nicht als Eingabe für die Formel auf dieser Seite.

Warum steht +3 dB bei der Aufstellung vor einer Wand?

Eine Wand hinter dem Gerät wirft den Schall zurück, der sonst in den Raum hinter der Quelle ginge. Der Schall verteilt sich dann auf einen kleineren Raumwinkel — der Pegel steigt je reflektierender Fläche um rund 3 dB. Ecke und Nische erhöhen entsprechend (siehe Tabelle zur Aufstellung).

Ersetzt diese Abschätzung ein Schallgutachten?

Nein. Die Formel auf dieser Seite ist ein vereinfachtes Freifeld-Modell ohne Luftabsorption, Bodendämpfung und Abschirmung. Sie liefert eine Größenordnung für die Planung; wo der Richtwert knapp erreicht wird, gehört eine detaillierte Berechnung oder Messung durch Fachleute dazu.

Wie genau ist das Ergebnis?

Das Modell lässt dämpfende Einflüsse weg und rechnet dadurch eher zu hoch als zu niedrig. Umgekehrt bleiben Zuschläge für Ton- oder Impulshaltigkeit unberücksichtigt, die den Beurteilungspegel erhöhen können. Das Ergebnis ist deshalb eine Näherung, keine Prognose mit festem Fehlerband.

Schallnachweise für Kundenprojekte dokumentieren?

Jederzeit kündbar

Demo anfordern